Ein Brand Board erstellen hört sich nach einem Projekt für Designerinnen mit drei Bildschirmen an. Dabei ist es eine einzige Seite. Und die spart dir jede Woche Stunden.
Vielleicht kennst du das: Du sitzt vor Canva, der Post soll in einer halben Stunde raus. Du scrollst durch deine Farben, nimmst diesmal das dunklere Lila, beim letzten Mal war es das hellere. Die Schrift ist auch eine andere als in deinem Highlight-Cover. Einzeln sieht alles okay aus. Nebeneinander im Feed wirkt es wie fünf verschiedene Selbstständige.
Ein Brand Board beendet dieses Raten. Darauf steht alles, was deine Marke sichtbar macht: Logo, Farben, Schriften, Bildstil, Muster und die Worte für die Stimmung. In diesem Artikel zeige ich dir, was auf ein Brand Board gehört, warum der Archetyp der beste Startpunkt ist und wie du dein Board Schritt für Schritt in Canva baust.

Was ist ein Brand Board?
Ein Brand Board ist eine einzelne Übersichtsseite mit allen visuellen Bausteinen deiner Marke: Logo, Farbpalette mit Farbcodes, Schriften, Bildstil, Muster oder Formen und ein paar Stimmungsworte. Es ist die Kurzfassung deines Markendesigns. Du schaust drauf und weißt sofort, wie ein Post, eine Website oder ein Flyer von dir aussehen muss.
Auf Pinterest findest du dazu viel unter „brand board template“, „brand board design“ und „brand board inspiration“. Die Vorlagen sehen oft wunderschön aus. Der Haken: Sie zeigen die Marke einer anderen. Wer eine fremde Vorlage nur umfärbt, bekommt ein hübsches Board ohne Fundament.
Ich bin Isabella Zanghellini, Brand-Designerin aus Vorchdorf in Oberösterreich, und baue seit 19 Jahren Marken, inzwischen 100+. Jedes einzelne Projekt hatte am Ende eine solche Übersicht. Sie ist das Dokument, das am häufigsten geöffnet wird, lange nachdem das Logo fertig ist.
Was ist der Unterschied zwischen Brand Board und Moodboard?
Ein Moodboard sammelt Stimmung: Fotos, Texturen, Farben und Fundstücke, die zeigen, wie sich deine Marke anfühlen soll. Ein Brand Board hält fest, was daraus geworden ist, mit genauen Farbcodes, festen Schriften und klaren Regeln. Erst kommt das Moodboard, dann das Brand Board.
| Moodboard | Brand Board | |
|---|---|---|
| Zweck | Stimmung finden | Entscheidungen festhalten |
| Inhalt | Fotos, Texturen, Fundstücke | Logo, Farbcodes, Schriften, Regeln |
| Wann | am Anfang, beim Suchen | nach der Entscheidung |
| Wie genau | darf unscharf sein | muss exakt sein |
| Wer nutzt es | du beim Nachdenken | du, deine Assistenz, deine KI, jede Druckerei |
Beide haben ihren Platz. Viele springen aber vom Moodboard direkt ins Design und wundern sich, warum ihr Feed nach drei Monaten wieder zerfällt. Die Stimmung allein reicht nicht. Du brauchst die festgehaltene Entscheidung.
Was gehört auf ein Brand Board?
Auf ein vollständiges Brand Board gehören sechs Bausteine: Logo, Farben, Schriften, Bildstil, Muster oder grafische Elemente und Stimmungsworte. Mehr braucht es für den Alltag nicht. Weniger macht es lückenhaft, weil du dann genau an der fehlenden Stelle wieder improvisierst.
Die sechs Bausteine im Überblick:
- Logo: Hauptlogo, eine kompakte Variante (zum Beispiel nur Initialen) und eine einfarbige Version
- Farben: vier bis sechs Farben mit Hex-Code und Rolle (Fläche, Tiefe, Akzent, Text)
- Schriften: eine Überschrift, eine Subline, ein Fließtext
- Bildstil: vier bis sechs Beispielfotos plus zwei, drei Sätze, wie deine Bilder wirken sollen
- Muster und Formen: Linien, Bögen, Texturen, Icons oder ein Muster für Hintergründe
- Stimmungsworte: vier Wörter, die beschreiben, wie deine Marke wirken soll
Ein Punkt, der oft fehlt: die Rolle jeder Farbe. Eine Palette mit fünf Feldern hilft dir wenig, wenn du nicht weißt, welche Farbe der Hintergrund ist und welche nur für den Knopf gedacht ist.
Warum fängt ein gutes Brand Board beim Archetyp an?
Ein Brand Board, das beim Archetyp anfängt, hat eine innere Logik: Farben, Schriften und Bilder folgen derselben Grundhaltung. Der Archetyp sagt dir, wie deine Marke wirken soll, und das Board übersetzt das in Design. Ohne diesen Schritt entscheidest du nach Geschmack, und Geschmack ändert sich mit jeder neuen Vorlage, die du siehst.
In meinem System hat jeder der 12 Archetypen eine eigene Farbfamilie. Zwei Beispiele, wie unterschiedlich das aussieht:
Die Weise wirkt mit Blau ruhig und durchdacht. Die Entertainerin wirkt mit Koralle und Türkis lebendig und sofort nahbar. Stell dir vor, beide bauen ihr Board aus derselben Pinterest-Vorlage mit Beige und Terrakotta. Dann sehen sie gleich aus, obwohl ihre Kundinnen ganz Verschiedenes von ihnen erwarten.
Auch Schriften, Bildstil und Stimmungsworte hängen am Archetyp. Eine Herrscherin braucht andere Fotos als eine Entdeckerin, und eine Rebellin wählt andere Wörter als eine Beschützerin. Welcher Archetyp bei dir vorne steht, ist deshalb die erste Frage vor dem ersten Farbfeld.
Wenn du das noch nicht weißt, lohnt sich ein kurzer Umweg, bevor du Canva aufmachst. Sonst baust du dein Board zweimal.
Wie erstellst du ein Brand Board in Canva?
Ein Brand Board erstellst du in Canva in sieben Schritten: Format anlegen, Archetyp und Stimmungsworte notieren, Farben festlegen, Schriften wählen, Logo einsetzen, Bildstil und Muster ergänzen und zum Schluss alles im Alltag testen. Für eine erste Version brauchst du ungefähr einen Vormittag. Die kostenlose Canva-Version reicht dafür.
Schritt 1: Format anlegen
Öffne in Canva ein neues Design im Querformat, zum Beispiel 1920 × 1080 Pixel. Wenn du lieber mit Vorlage arbeitest, gib im Suchfeld „Brand Board“ ein. Nimm die Vorlage aber nur als Raster und ersetz jedes Element durch deins.
Teil die Fläche in sechs Bereiche: Logo oben links, Farben daneben, Schriften darunter, Bildstil in der Mitte, Muster und Stimmungsworte unten.
Schritt 2: Archetyp und Stimmungsworte notieren
Schreib deinen stärksten Archetyp klein an den Rand. Dann such vier Stimmungsworte, die zu ihm passen. Für eine Weise könnten das „ruhig“, „durchdacht“, „klar“ und „nahbar“ sein. Das vierte Wort ist wichtig: Es gleicht den typischen Schatten aus, bei der Weisen die Gefahr, kühl zu wirken.
Schritt 3: Farben festlegen
Wähl aus der Farbfamilie deines Archetyps eine Palette mit Rollen. Eine bewährte Verteilung aus meinem System:
| Rolle | Anteil | Wofür |
|---|---|---|
| Hauptfarbe 1 | ca. 50 % | Flächen und Hintergründe |
| Hauptfarbe 2 | ca. 20 % | zweite Fläche, Tiefe |
| Akzent | ca. 10 % | Knöpfe, ein Wort in der Überschrift |
| Neutral hell | ca. 15 % | Textgrund, Weißraum |
| Neutral dunkel | ca. 5 % | Fließtext, Linien |
Setz für jede Farbe einen Kreis aufs Board, schreib den Hex-Code und die Rolle darunter. Wie du die Palette selbst findest, erkläre ich ausführlich in Branding Farben finden.
Schritt 4: Schriften wählen
Du brauchst drei Ebenen: eine Überschrift mit Charakter, eine Subline für Zwischentöne und Zitate und einen Fließtext, der auch über lange Strecken gut lesbar bleibt. Schreib auf dem Board jede Schrift in ihrer eigenen Schrift aus, mit einem echten Satz von dir, zum Beispiel deinem Claim. So merkst du sofort, ob sie zu dir passt. Welche Schriften gut zusammengehen und wie du sie in Canva findest, steht in Schriften kombinieren.
Schritt 5: Logo einsetzen
Setz dein Hauptlogo oben links ein und daneben die kompakte und die einfarbige Version. Prüf dabei, ob das Logo auf deiner hellen und auf deiner dunklen Hauptfarbe funktioniert. Wenn du noch kein Logo hast, reicht für den Start dein Name in der Überschriftenschrift.
Schritt 6: Bildstil und Muster ergänzen
Leg vier bis sechs Fotos in die Mitte, die zeigen, wie deine Bilder wirken sollen: eigene Fotos, KI-Markenbilder oder vorerst Beispiele als Platzhalter. Schreib zwei Sätze dazu, etwa „hell, viel Weißraum, natürliches Licht“ oder „dunkel, nah, mit Lichtakzenten“. Ergänze ein bis zwei Muster oder Formen, die sich durch deine Grafiken ziehen dürfen.
Schritt 7: Im Alltag testen
Bau mit deinem Board drei echte Posts und eine Story. Leg sie nebeneinander. Wirken sie wie von einer Person? Dann passt es. Wenn ein Element ständig stört, ändere es jetzt, solange das Board noch frisch ist.
Beispiel: So könnte das Board einer Beschützerin aussehen
Stell dir vor, du bist Hebamme und begleitest Familien nach der Geburt. Dein stärkster Archetyp ist die Beschützerin. Ein mögliches Board, rein als Gedankenspiel:
- Stimmungsworte: ruhig, verlässlich, warm, kompetent
- Farben: Beige #F5F5DC als Fläche, Hellgrün #98FB98 als zweite Farbe, ein sanftes Gelb #F0E68C als Akzent, dazu ein dunkles Neutral für den Text
- Schriften: eine weiche, gut lesbare Überschrift und ein ruhiger Fließtext ohne Schnörkel
- Bildstil: helle Räume, natürliches Licht, Hände, Tee, Decken, viel Weißraum
- Muster: sanfte Bögen und runde Formen
Das Wort „kompetent“ steht dort bewusst. Es gleicht den Schatten der Beschützerin aus, die sonst schnell nur fürsorglich wirkt und ihre Fachkenntnis versteckt. Genau so arbeitest du mit dem Schatten: Du gibst dem Board ein Gegengewicht mit.

Welche Fehler solltest du beim Brand Board vermeiden?
Die häufigsten Fehler beim Brand Board sind zu viele Farben, Schriften ohne klare Rolle und eine Vorlage, die nur umgefärbt wird. Dazu kommt ein Board, das nie benutzt wird, weil es irgendwo in einem Ordner liegt. Jeder dieser Fehler führt dazu, dass du im Alltag wieder rätst.
Achte besonders auf diese Punkte:
- Zu viele Farben: Acht Farben sind keine Palette mehr. Bleib bei vier bis sechs.
- Akzent überall: Wenn der Akzent auf jeder Fläche auftaucht, wirkt er nicht mehr als Akzent.
- Kontrast vergessen: Fließtext braucht genug Kontrast zum Hintergrund. Auf Gelb, Mint oder Pastell nie weiße Schrift setzen.
- Schriften-Sammlung: Mehr als drei Schriften machen jedes Design unruhig.
- Fremde Vorlage, eigene Farben: Die Struktur einer Vorlage ist hilfreich, die Wirkung muss aber aus deinem Archetyp kommen.
- Board im Archiv: Häng es dir als Bild an den Bildschirmrand oder pinn es in Canva ganz nach oben.
Ein Satz, den ich seit Jahren sage: Canva ersetzt keine Klarheit. Das schönste Board hilft dir wenig, wenn du nicht weißt, warum du welche Farbe gewählt hast.
Wie nutzt du dein Brand Board im Alltag?
Dein Brand Board nutzt du im Alltag als Nachschlagewerk für jedes Design und als Briefing für alle, die mit dir arbeiten. Dazu gehören deine virtuelle Assistenz, deine Webdesignerin und auch deine KI. Je öfter du es verwendest, desto stimmiger wird dein Auftritt, ohne dass du jedes Mal nachdenken musst.
Drei Wege, die sich bewährt haben:
- In Canva: Leg deine Farbcodes und Schriften dort ab, wo du sie mit einem Klick findest. Je nach Canva-Konto im Marken-Kit (Brand Kit) oder in einer eigenen Design-Datei mit deinen Farben und Schriften.
- Für deine KI: Gib deinem Claude-Projekt die Inhalte des Boards als Text mit: Archetyp, Farbcodes mit Rollen, Schriften, Bildstil und Stimmungsworte. Dann schlägt die KI Layouts und Bildideen vor, die zu dir passen.
- Für andere: Schick das Board als PDF an jede Person, die etwas für dich gestaltet oder druckt.
Laut der Stanford-Studie zur Web-Glaubwürdigkeit hängen 75 % der Glaubwürdigkeit einer Website am Design. Ein Brand Board sorgt dafür, dass dieses Design überall gleich aussieht, auf Instagram, auf der Website und auf dem Flyer im Seminarraum.
Häufige Fragen
Gibt es eine kostenlose Brand Board Vorlage?
In Canva findest du unter dem Suchwort „Brand Board“ viele kostenlose Vorlagen. Nutze sie als Raster für die Aufteilung der Seite. Farben, Schriften und Bilder solltest du komplett aus deinem eigenen Archetyp ableiten, sonst sieht dein Board aus wie das von vielen anderen.
Wie viele Farben gehören auf ein Brand Board?
Vier bis sechs Farben reichen: zwei Hauptfarben, ein Akzent und zwei Neutrale für Text und Weißraum. Wichtig ist, dass du zu jeder Farbe die Rolle notierst. Dann weißt du beim Gestalten sofort, welche Farbe wohin gehört.
Brauche ich ein Logo, bevor ich ein Brand Board erstelle?
Nein. Für den Anfang reicht dein Name in der Überschriftenschrift als Platzhalter. Oft ist es sogar sinnvoller, erst Farben und Schriften festzulegen, weil das Logo dann aus diesen Entscheidungen entstehen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Brand Board und Styleguide?
Ein Brand Board ist die Übersicht auf einer Seite. Ein Styleguide ist ausführlicher und erklärt auf mehreren Seiten Abstände, Größen, Anwendungsbeispiele und Regeln für Texte. Für Selbstständige reicht am Anfang meist ein gutes Brand Board.
Wie oft sollte ich mein Brand Board ändern?
So selten wie möglich. Wiedererkennung entsteht durch Wiederholung, deshalb lohnt es sich, ein Board mindestens ein Jahr konsequent zu nutzen. Ändern solltest du es, wenn sich dein Angebot oder deine Zielgruppe deutlich verschiebt.
Fazit
Ein Brand Board ist eine Seite, die dir jede Woche Entscheidungen abnimmt. Wenn du beim Archetyp anfängst, passen Farben, Schriften, Bilder und Stimmungsworte von selbst zusammen, und dein Feed wirkt endlich wie von einer Person. Ein Vormittag in Canva reicht für die erste Version.
Den ersten Baustein kannst du dir gleich holen: deine Farbfamilie.
P.S. Häng dein fertiges Board dorthin, wo du es jeden Tag siehst. Ein Board im Ordner hilft niemandem.
Isabella Zanghellini · Brand-Designerin, FemBrand Studio, Vorchdorf (Oberösterreich)
19 Jahre Marken-Design · 15 Jahre selbstständig · 100+ Marken · zertifizierte Personal Brand Consultant · SPIEGEL-Bestseller „Das große Wichtelhandbuch" (Platz 1). Ich arbeite mit Marken-Archetypen und bringe Selbstständigen bei, ihre Marke mit KI selbst aufzubauen.



