Das WordPress-Dashboard ist offen, das dritte Theme installiert, und der Kaffee daneben ist längst kalt. Du wolltest heute nur schnell deine eigene Website erstellen. Jetzt hängst du bei der Frage, ob der Button lila oder blau sein soll, und auf der Startseite steht immer noch „Hier kommt ein Text hin".
Kenn ich. Und ich verrate dir gleich das Unbequeme: Was dir fehlt, ist die Reihenfolge.
Eine Website selber erstellen ist für Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen heute absolut machbar, auch ohne Agentur und ohne Programmierkenntnisse. Was es braucht, ist ein Plan: erst die Seitenstruktur, dann die Texte, dann das Design. In diesem Artikel bekommst du genau diesen Plan. Du erfährst, welche Seiten du wirklich brauchst, warum das Design mehr Gewicht hat, als dir vielleicht lieb ist, wie Claude dir beim Schreiben und Bauen hilft, wie du ein einfaches Logo selber gestaltest und was rechtlich auf jeden Fall auf deine Seite muss.
Kann ich meine eigene Website erstellen ohne Agentur?
Ja. Mit einem Baukasten oder WordPress, fertigen Texten und einem Brand Board kannst du deine eigene Website erstellen, ohne eine Zeile Code zu lernen. Entscheidend ist die Vorarbeit: Wer vorher weiß, für wen die Seite ist und was sie verkaufen soll, ist oft in wenigen Tagen fertig. Wer ohne diese Klarheit startet, baut monatelang um.
Ich bin Isabella Zanghellini, Brand-Designerin aus Vorchdorf in Oberösterreich, und in 19 Jahren Marken-Design habe ich eines immer wieder gesehen: Websites scheitern selten am Budget. Sie scheitern daran, dass jemand beim Design anfängt und bei den Inhalten aufhört.
Eine Agentur nimmt dir Technik und Gestaltung ab. Die Fragen, wer du bist und was du anbietest, kann sie dir trotzdem nicht beantworten. Die musst du sowieso klären, mit Agentur oder ohne. Und wenn diese Fragen einmal beantwortet sind, ist der Rest Handwerk, das du lernen kannst.
Eine eigene Website ohne Agentur lohnt sich besonders, wenn:
- du gerade startest und dein Angebot sich noch bewegt
- du Texte und Angebote selbst ändern willst, ohne jedes Mal eine Rechnung zu bekommen
- du schon weißt, welche Farben und Schriften zu dir passen
- du bereit bist, ein paar Vormittage konzentriert dranzusitzen
Welche Seiten braucht eine Website für Coaches?
Für den Start reichen fünf Seiten: Startseite, Über mich, Angebot, Kontakt sowie Impressum und Datenschutz. Jede Seite hat genau eine Aufgabe, und zusammen führen sie deine Besucherin von „Wer ist das?" zu „Da melde ich mich." Alles Weitere, etwa ein Blog oder eine Freebie-Seite, kommt dazu, wenn diese fünf stehen.
| Seite | Aufgabe | Was draufgehört |
|---|---|---|
| Startseite | in Sekunden zeigen, für wen du da bist | ein klarer Hauptsatz, dein Foto, der Weg zum Angebot |
| Über mich | Vertrauen aufbauen | deine Geschichte mit Bezug zur Leserin, Erfahrung, Haltung |
| Angebot | erklären, was man bei dir bekommt | Ablauf, Ergebnis, für wen es passt, nächster Schritt |
| Kontakt | den ersten Schritt leicht machen | Formular oder Terminlink, Antwortzeit, E-Mail |
| Impressum und Datenschutz | rechtliche Pflicht erfüllen | Pflichtangaben, Datenschutzerklärung |
Ein Fehler, den ich oft sehe: zu viele Unterseiten am Anfang. Sieben Angebote, drei Landingpages, ein Shop, ein Blog ohne Artikel. Das wirkt wie ein Bauchladen und verwirrt mehr, als es hilft. Fang klein an. Fünf durchdachte Seiten wirken professioneller als zwanzig halbfertige.
Die Startseite verdient dabei die meiste Zeit, denn hier entscheidet sich, ob jemand bleibt. Der wichtigste Satz ganz oben beantwortet drei Dinge: wem du hilfst, wobei, und was danach anders ist. Wenn du diesen Satz noch nicht hast, ist das kein Website-Problem. Es ist ein Positionierungsproblem, und das löst kein Theme der Welt.
Warum sollte ich die Texte vor dem Design schreiben?
Das Design soll deine Texte sichtbar machen, also müssen die Texte zuerst da sein. Wenn du zuerst gestaltest, presst du deine Inhalte später in Kästen, die für Platzhalter gebaut wurden, und landest bei Floskeln, die gerade hineinpassen. Schreibst du zuerst, weißt du, wie lang deine Aussagen sind, was hervorgehoben werden muss und welche Bilder du brauchst.
So gehst du vor:
- Schreib für jede der fünf Seiten auf, was die Besucherin danach tun soll.
- Formuliere die Hauptaussage der Startseite in einem einzigen Satz.
- Schreib die Über-mich-Seite so, dass sich deine Wunschkundin darin wiederfindet.
- Beschreib dein Angebot mit Ablauf, Ergebnis und Preis oder Preisrahmen.
- Erst wenn alle Texte stehen, öffnest du das Website-Tool.
Ich weiß, das fühlt sich langsamer an. Ist es aber nicht. Wer die Texte fertig hat, baut die eigentliche Seite oft an einem einzigen Vormittag. Wer mit dem Design anfängt, sitzt Wochen später noch vor demselben Platzhalter.
Wie wichtig ist das Design einer Website wirklich?
Sehr wichtig. Laut der Stanford-Forschung zur Glaubwürdigkeit von Websites (Stanford Web Credibility Project, B. J. Fogg) hängen 75 % der Glaubwürdigkeit einer Website am Design. Deine Besucherin entscheidet also zu einem großen Teil über den ersten Eindruck, ob sie dir vertraut, noch bevor sie deinen ersten Absatz gelesen hat.
Gutes Design bedeutet dabei vor allem eines: stimmig. Farben, Schriften und Bilder passen zueinander und zu dem, was du anbietest. Eine Psychotherapeutin braucht eine andere Wirkung als eine Business-Mentorin für Gründerinnen, auch wenn beide dasselbe Theme verwenden könnten.
Die Grundlage dafür ist dein Brand Board: eine Seite mit deinen Farben samt Farbcodes, deinen Schriften, deinem Bildstil und deinem Logo. Wenn du das noch nicht hast, mach es zuerst. Wie das geht, zeige ich dir Schritt für Schritt in Brand Board erstellen. Mit einem fertigen Brand Board wird das Website-Design fast zur Fleißaufgabe, weil du nur noch umsetzt, was schon entschieden ist.
Drei Design-Regeln, die fast jeder Website guttun:
- maximal zwei Schriften, eine für Überschriften, eine für Fließtext
- eine Hauptfarbe, eine Akzentfarbe für Buttons, dazu viel Weißraum
- echte Fotos von dir, keine Stockbilder mit lachenden Menschen am Laptop
Bleibt die Frage, welche Farben, Schriften und Bilder zu dir passen. Und genau hier überspringen viele den wichtigsten Schritt. Die Antwort steckt in deinem Marken-Archetyp: Er entscheidet, ob deine Website hell und zuversichtlich wirken soll, ruhig und vertrauensvoll oder eigenwillig und kreativ.

Wie kann ich mit Claude meine Website-Texte und Seiten bauen?
Claude hilft dir in zwei Schritten: zuerst bei den Texten, dann beim Bau der Seiten. Du gibst Claude deine Infos zu Angebot, Zielgruppe und Stimme, lässt dir Entwürfe für jede Seite schreiben und überarbeitest sie. Danach kann Claude dir fertige Seiten als HTML bauen oder dir für WordPress erklären, welcher Text in welchen Block kommt.
Die Qualität hängt an dem, was du reinwirfst. Wenn dein Briefing dünn ist, kommt dünner Text raus, und deine Seite liest sich wie jede zweite Coach-Website. Ein gutes Briefing für Website-Texte enthält:
- für wen du arbeitest, mit typischen Sätzen, die deine Wunschkundinnen selbst sagen
- was dein Angebot konkret leistet und wie es abläuft
- deine Stimme: wie du sprichst, welche Wörter du magst, welche nie vorkommen dürfen
- zwei, drei Texte von dir, etwa ein Newsletter oder ein Post, der sich nach dir anfühlt
- die Aufgabe der Seite: Was soll die Leserin danach tun?
So läuft es bei mir: Ich lege in Claude ein Projekt an und speichere dort Briefing, Stimme und Brand Board als Wissen. Dann schreibe ich Seite für Seite, lese laut, streiche, lasse umformulieren. Erst wenn die Texte sitzen, bitte ich Claude, daraus die Seite zu bauen, mit meinen Farbcodes und Schriften. Ich nutze KI wahrscheinlich öfter als meine Kaffeemaschine, aber das letzte Wort hat immer meine eigene Stimme.
Wenn du mit Claude noch ganz am Anfang stehst, lies zuerst KI für Anfänger mit Claude. Und zur Tool-Frage: Ein Baukasten ist schneller eingerichtet, WordPress gibt dir mehr Freiheit für Blog und Erweiterungen. Beides funktioniert. Wichtiger als das Tool ist, dass du deine Seite später selbst pflegen kannst.

Wie kann ich ein Logo selber gestalten?
Am einfachsten startest du mit einer Wortmarke: deinem Namen oder Markennamen in einer gut gewählten Schrift, ohne Bildzeichen. Eine Wortmarke ist schnell gemacht, bleibt in jeder Größe lesbar und passt zu Personal Brands, bei denen ohnehin du als Person im Mittelpunkt stehst. Ein Bildzeichen kannst du später immer noch ergänzen.
Meine Tipps für dein erstes Logo:
- Nimm die Überschriften-Schrift aus deinem Brand Board, dann passt das Logo automatisch zur Website.
- Arbeite mit maximal zwei Farben und teste auch eine einfarbige Version in Schwarz und in Weiß.
- Prüf die Lesbarkeit ganz klein, etwa als Favicon im Browser-Tab oder als rundes Profilbild.
- Spiel mit dem Abstand zwischen den Buchstaben und mit Groß- oder Kleinschreibung, bevor du an Symbole denkst.
- Speichere das Logo als PNG mit transparentem Hintergrund und, wenn möglich, als SVG.
- Leg dir Varianten an: quer für die Website, quadratisch für Social Media.
Wovon ich dir abrate: Logos aus Vorlagen mit Clipart-Blättern, Glühbirnen oder Lotusblüten. Die findest du bei unzähligen anderen Selbstständigen, und genau deshalb erinnert sich niemand daran. Eine schlichte Wortmarke in der richtigen Schrift wirkt fast immer hochwertiger. Und sie hat einen schönen Nebeneffekt: Dein Name bleibt hängen.
Was muss rechtlich auf meine Website?
Eine geschäftliche Website braucht in Österreich und Deutschland ein Impressum mit deinen Pflichtangaben und eine Datenschutzerklärung. Welche Angaben genau dazugehören, hängt von deiner Rechtsform, deinem Beruf und den Tools auf deiner Seite ab. Das hier ist keine Rechtsberatung: Lass deine Rechtstexte von einer Fachperson oder einem seriösen Rechtstexte-Dienst prüfen.
Worauf du achten solltest:
- Impressum und Datenschutz sind von jeder Seite aus mit einem Klick erreichbar, meist im Footer.
- Jedes eingebundene Tool ist in der Datenschutzerklärung erwähnt: Newsletter-Formular, Kalender, Videos, Schriften von externen Servern.
- Sobald du Cookies oder Tracking einsetzt, die technisch nicht nötig sind, brauchst du ein Cookie-Banner.
- Wenn du ein neues Tool einbaust, passt du die Rechtstexte gleich mit an.
Claude kann dir helfen, eine Liste aller Tools auf deiner Seite zu erstellen und Rechtsbegriffe verständlich zu erklären. Die fertigen Rechtstexte solltest du dir aber nie von einer KI schreiben lassen und ungeprüft online stellen. Hier ist Sorgfalt wichtiger als Tempo.
Wenn du deine Marke, deine Website und deine Markenbilder nicht allein bauen willst: Genau das machen wir gemeinsam in meinem Kurs, Schritt für Schritt mit Claude.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, eine eigene Website zu erstellen?
Mit fertigen Texten und einem Brand Board schaffen viele die Grundversion mit fünf Seiten in ein paar Tagen. Die meiste Zeit geht für die Texte drauf, die Technik ist schneller als gedacht. Plan dir dafür zwei oder drei konzentrierte Vormittage pro Woche ein.
Was kostet eine selbst erstellte Website?
Die laufenden Kosten liegen vor allem bei Domain, Hosting und eventuell einem Theme oder Baukasten-Abo. Dazu kommen Rechtstexte und, wenn du willst, Fotos. Die Summen hängen stark vom Anbieter ab, vergleiche deshalb immer die Kosten pro Jahr inklusive Verlängerung.
Brauche ich für meine Website ein eigenes Logo?
Für den Start reicht eine Wortmarke, also dein Name in deiner Markenschrift. Wichtig ist, dass sie überall gleich aussieht: auf der Website, im Profilbild, in der Mail-Signatur. Ein aufwändiges Bildzeichen kannst du ergänzen, wenn deine Marke gewachsen ist.
WordPress oder Baukasten: was passt besser für Coaches?
Ein Baukasten ist schneller eingerichtet und braucht weniger Pflege. WordPress gibt dir mehr Freiheit, etwa für einen Blog oder eigene Funktionen, verlangt aber regelmäßige Updates. Entscheide nach der Frage, was du selbst langfristig pflegen willst.
Kann ich meine Website komplett mit KI erstellen?
Texte, Struktur und sogar den Code kann KI heute gut entwerfen. Deine Positionierung, deine Stimme und deine Entscheidungen kann sie dir nicht abnehmen. Und Rechtstexte gehören immer in geprüfte Hände.
Fazit
Deine eigene Website schaffst du ohne Agentur, wenn du die Reihenfolge einhältst: fünf Seiten planen, Texte schreiben, Design aus deinem Brand Board ableiten, Logo als Wortmarke starten, Rechtstexte prüfen lassen. Claude macht dich dabei deutlich schneller. Die Klarheit über deine Marke bringst du selbst mit, und wenn du die noch suchst, fang genau dort an. Canva ersetzt keine Klarheit, und ein Theme auch nicht.
Der kürzeste Weg zu dieser Klarheit dauert ein paar Minuten: Finde heraus, welcher Archetyp in deiner Marke steckt. Danach weißt du, wie deine Website wirken soll.
P.S. Speicher dir diesen Plan auf Pinterest. Dann hast du die Reihenfolge parat, wenn du das nächste Mal vor einem leeren Dashboard sitzt.
Isabella Zanghellini · Brand-Designerin, FemBrand Studio, Vorchdorf (Oberösterreich)
19 Jahre Marken-Design · 15 Jahre selbstständig · 100+ Marken · zertifizierte Personal Brand Consultant · SPIEGEL-Bestseller „Das große Wichtelhandbuch" (Platz 1). Ich arbeite mit Marken-Archetypen und bringe Selbstständigen bei, ihre Marke mit KI selbst aufzubauen.



